Herodes

Wir fahren weiter in die judäische Wüste zum Herodeion, einer der Fluchtburgen des Herodes, an deren Fuß das Dörfchen Tekoa, die Heimat des Propheten Amos liegt.

Von Weitem sieht die Fluchtburg wie ein natürlicher Vulkan aus. Langsam fahren wir den Berg hinauf, um oben Picknick zu machen. Ich mag den Blick über das weite Land, das mich wegen der hellen Kalkböden an die französische Provence erinnert. Während ich den Kardamom-Kaffee genieße, schocken mich die vielen Soldaten, die plötzlich auf dem Parkplatz ankommen. Aus dem ersten Jeep springen junge Soldaten in grünen Uniformen hinaus. Ihre immer schießbereiten schwarzen Maschinengewehre tragen sie wackelnde Handtaschen mit sich herum. Die große Anzahl der Soldaten wundert und ärgert mich irgendwie. Ihre Stimmen klingen sehr aggressiv. Die Jüngeren tragen olivfarben Uniformen, die Älteren tragen Hemden.

Hier ist unser Reisebus zu sehen.

Herodes hatte zum Fuße des Berges und in unmittelbarer Nähe zur Wüste riesige Becken mit kleinen Inseln zum Baden gebaut. Er kannte schon Heiß- und Kaltwasseranlagen und musste die Römer mit seiner Badeanlage sehr beeindruckt haben. Wir besuchen die hellen Gänge der Zisterne. Wir wandern durch die unterirdisch gemauerten Behälter zum Speichern von Regenwasser.

 

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Georgskloster im Wadi Qelt

Mitten in der Wüste sitzen wir an einer Quelle. Auf den Felsen hüpfen die Klippdachse, die nur zu sehen sind, wenn sie sich bewegen. Die Quelle in der Wüste entsteht dadurch, dass ein Hügel mit verschiedenen Schichten das Regenwasser aufnimmt und irgendwie dann auch wieder frei gibt. Das Tal, durch das wir gehen wird Wadi genannt und ist ein Flussbett in der Wüste, das nur bei heftigen Regen Wasser führt.

Nach drei Stunden Wanderung durch das Gebirge, kommen wir am Georgskloster an. Müde sitzen wir unter einem Baum und kommen an. Die ganze Zeit musste ich auf den steinigen Weg achten und bin vorsichtig durch das sandfarbene Gebirge gewandert. Jetzt blicke ich zurück auf die riesige Schlucht.

Erst öffnen die griechisch-orthodoxen Mönche uns die Tür und stellen uns Wasser mit Sirup hin. Dann werden wir plötzlich heftig und sehr unfreundlich aufgefordert, sofort das Kloster zu verlassen. Ich bin sprachlos und nehme mir vor, nie wieder bei einem griechisch-orthodoxen Mönch anzuklopfen.

Irgendjemand erzählt von Männern, die zusammen in einem Tal wohnen und so sehr Frauen ablehnen, dass dort nicht einmal Ziegen oder andere Tiere des weiblichen Geschlechtes hineindürfen. Diese drei schwarz gekleideten Männer, die ungefähr in meinem Alter sind, stimmen mich nachdenklich und ich sehe auf der weiteren Wanderung ihre abweisenden Gesichter vor mir.

Wir gehen weiter und die Felsen werden wieder niedriger bis in einer Höhe von 15 bis 20 Metern kleine Höhlen zu sehen sind, teilweise gibt es gleich mehrere in unmittelbarer Nähe. Eine Höhle ist sogar mit Steinen stückweise zugemauert. Wir erfahren, dass Eremiten dort gewohnt haben. Es waren zeitweise sehr viele Heiligen, die sich zurückgezogen haben. Jeder Mensch ist ein bisschen ein Eremit, der immer wieder seine Einsamkeit braucht.

Wir wandern weiter und die weite, schwere Landschaft mit dem hellblauen Himmel und der leckeren Frühlingsluft gefallen mir sehr. Die Natur beeindruckt mich sehr. Wenn ich rechts von mit wieder auf das dunkel abfallende Tal schaue, fürchte ich mich und werde mir bewusst, dass ich immer wieder einmal Angst bekomme vor Dingen, die im Leben passieren können. Fürchte mich vor der totalen Einsamkeit, vor plötzlich auf mich einstürzende Unglücke, die mir den Boden unter den Füßen wegreißen, vor dunklen und nicht planbaren Katastrophen. Und ein wenig fürchte ich mich auch davor, im Internet verloren zu gehen…

Jerusalem

ist wunderschön und sehr anders. Ich sitze in einem Café, trinke einen Kardamom-Kaffee. Riesige goldene Kreuze tragen sie hier um den Hals. Pilgergruppe in wilden bunten Kleidern spazieren durch die Südstadt. Schwarze Kutten mit langen Zipfelmützen. Arabische Männer mit Palästineserschal und ihre Frauen in pinken Djellabas drängen sich im Bazar. Die orthodoxen Juden tragen aus religiösen Gründen farbige Perücken. Ein Mann hat sich als Trump verkleidet. Im Hintergrund wildes Autohupen und die Glocken der Erlöserkirche, die ihren Gottesdienst um 11 Uhr 11 beginnt.

Und plötzlich stehen Juden, Christen, Muslime und Touristen aus der ganzen Welt gemeinsam in der Kneipe und singen. Nur der griechisch-orthodoxe Mönch, der keine Frauen leiden kann, hat Hausverbot bis ihn einer an die Theke zieht…
http://www.bing.com/videos/search…

Via dolorosa

Heute spaziere ich einfach so durch Jerusalem und lasse mich treiben. Eine italienische Reisegruppe diskutiert wild durcheinander und plötzlich schultert einer ein mannshohes Kreuz. Er setzt sich in Bewegung, seine 30 Mitreisenden folgen ihm.

Ich lande im Innenhof der armenischen Kirche. Ein junger Spanier lädt mich ein, mit ihm zu beten. Als ich ihn auf den guten Geruch nach Schokolade aus seinem Mund anspreche, hält er mir eine Schachtel mit Pralinen hin und wir reden über Gottes Schöpfung und die schönen Dinge im Leben.

Er macht er mich auch mit einer Französin bekannt, die auf einem Treppenvorsatz sitzend ein Buch liest. Sie hat sehr kurze schwarze Haare, einen knalligen Lippenstift und trägt Brille. Sie ist 29 Jahre alt. Als sie in der Schule mit Philosophie in Kontakt kommt, bricht sie sofort die Schule ab und geht von Nordfrankreich nach Korsika, wo sie ein Kind bekommt. Irgendwann wird sie psychisch krank, das Kind wird der Familie ihres Mannes zugeschrieben und jetzt ist sie auf Sinnsuche und scheint mir auf einem guten Weg zu sein.

Royal Dutch Shell und die Ölreserven

Die letzte Nacht schlage ich mir bei einer Motto-Party in einer der angesagtesten Szenekneipen im Studentenviertel von Jerusalem um die Ohren. Ich komme mit Harold ins Gespräch. Er arbeitete früher für die Royal Dutch Shell als führender Wissenschaftler bevor er das „Blue Shell“ eröffnet.

Wir plaudern ein wenig über die Ölgeschäfte, Saudi-Arabien, den Jom-Kippurkrieg und natürlich auch die autofreien Sonntagen in Deutschland im Jahr 1973.

Harold, der eigentlich Dr. Harold Vinegar heißt, geht davon aus, dass Israel riesige Vorräte an Ölschiefer besitzt und schon bald Saudi-Arabien auf dem Ölmarkt überrunden wird.

http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/153922

Akko und Cäsarea

In Jerusalem steppt der Wolf und mir ist danach, ans Meer zu fahren. Akko ist wunderschön. Wir stehen im Innenhof einer Moschee, in der ein Barthaar des Propheten verehrt wird. Die Moschee ist weiß und hat frisch gestrichene grüne runde Dächer und Türen. Das Grün ist so wunderschön grün.

Ich laufe auf Google maps herum und laufe erst in die falsche Richtung. Dann drehe ich mich um und flitze in Richtung des blauen glitzernden Meeres… komme aber leider nicht richtig ran an den Strand.

Eine weiße Katze mit bunten Flecken liegt gemütlich in der Sonne herum. Wir gehen durch die ummauerte Altstadt mit den riesigen Befestigungsanlagen und besichtigen die Kreuzfahrerbauten dann fahren wir weiter entlang der Küste des Mittelmeeres nach Cäsarea am Meer, der Stadt des Herodes, der römischen Statthalter, der Byzantiner und Kreuzfahrer: Besichtigung der umfangreichen neuen Ausgrabungen, des Theaters, der Kreuzfahrerstadt und des Aquädukts.

Caritas-Baby-Hospital in Bethlehem

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Wie immer stelle ich mir morgen den Wecker auf sechs Uhr, um die weitere Reise durch Israel zu planen. Ich suche die Adresse des Kinderkrankenhauses, um den Ort
dann auf google maps zu fotografieren, aber finde nur eine Adresse in Luzern, wo die Spenden verwaltet werden.
Als Orientierung in Israel/Palästina dient mir folgende Angabe: „Das Krankenhaus liegt direkt am Weg von Jerusalem zur Geburtskirche in Bethlehem – nur 200 Meter nach dem israelischen Checkpoint auf der palästinensischen Seite“.
Wir besuchen das Caritas-Baby-Hospital in Betlehem und erfahren dort über deren Arbeit mit Kindern und Familien. Wir treffen eine deutsche Entwicklungshelferin, die kurz vor ihrer Heimreise steht, weil die Einsätze immer nur auf drei Jahre begrenzt sind. Sie hat einen süddeutschen Akzent, blaue Augen und ein sehr liebes Gesicht mit lockigen Haaren. Was sie erzählt, untermalt sie immer wieder mit einem charmanten Lächeln und doch bin ich sehr geschockt von ihrem Bericht.
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Die Idee, ein Kinderkrankenhaus zu bauen, bekam ein Deutscher (oder Schweizer?) 1948 in einem arabischen Flüchtlingslager. Es kann im Winter sehr kalt werden in der Nähe von Bethlehem und so passierte es, dass ein Vater mit einem toten Säugling aus einem Zelt kam. Dieser Anblick schockte den Gründer des Krankenhauses so sehr, dass er sofort anfing Spenden zu sammeln. Seit 1975 gibt es eines großes Haus mit 92 Betten. Diese Gründungsgeschichte erzählte mir ein Mitarbeiter im Krankenhaus. Im Internet finde ich außerdem folgendes Zitat: „1952 haben der Schweizer Pater Ernst Schnydrig, der palästinensische Arzt Dr. Antoine Dabdoub und die Schweizerin Hedwig Vetter in einer spontanen Aktion das Caritas Baby Hospital gegründet“. Wer hier Genaueres weiß, bitte gerne kommentieren.
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In der Geburtsstation werden Kinder bis zwei Jahren und behinderte Kinder betreut. Außerdem erhalten Familien in Not finanzielle Beihilfe. Sie zählt uns die hier typischen Krankheiten auf: In der Gegend um Hebron sind sehr viele Steinfabriken, die Feinstaub verursachen. Aus diesem Grunde leiden viele Kinder unter Atemwegserkrankungen wie Reizhusten, Bronchitis und Asthma. Wegen mangelnder Hygiene gibt es viele bei uns leicht zu vermeidende Magendarminfektionen. Eine Chirurgie ist zu kostenintensiv und Kinder, die operiert werden müssen, gehen nach Jerusalem. Allerdings ist jeder Krankentransfer von einem hohen bürokratischen Aufwand begleitet. Erst einmal müssen lange Anträge ausgefüllt werden, damit ein krankes Kind überhaupt reisen darf, die Zweitstaatenlösung bringt es mit sich, dass Palästina unter Mandat von Jordanien steht und Eltern meist nicht mit ins israelische Krankenhaus dürfen. Stattdessen kümmern sich dann im besten Fall die Verwandtschaft in Ost-Jerusalem um die Kinder.
Der Transport zum Krankenhaus ist durch die vielen schlechten Straßen sehr schwierig. Während die israelischen Autobahnen sehr modern und gut ausgebaut sind, müssen die Araber auf sehr schlechten Seitenstraßen fahren, die zudem immer wieder kontrolliert und abgesperrt sind. Die Westbankzone verändert sich ständig, indem immer neue Zonen eingezeichnet werden.
Es gibt in den palästinensischen Autonomiegebieten sehr viele Behinderte, weil es immer noch üblich ist, Verwandte zu heiraten. Sehr traurig sei sie immer, wenn zwar behinderte, aber trotzdem sehr intelligente Kinder nicht in die Schule dürfen, weil das Land zu arm für gute Schulbildung für alle ist.
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Krankheit im palästinensischen Autonomiegebiete ist ein sehr großes Risiko und die Menschen fürchten sie sehr, da sie keine Vorsorge und keine Krankenversicherung hier haben. Generell ist es üblich, dass die Kranken 15 Schekel pro Monat dem Krankenhaus geben, Wohlhabende zahlen mehr und sehr Armen werden die Kosten erlassen. Die Kinderhilfe in der Schweiz spendet teilweise kostenlos Medikamente. Sehr schlecht geht es den Beduinen, die verelenden und sie weist auf den vorigen sehr langen, nassen Winter hin, unter dem alle gelitten haben.